Geschichtliches

Die Beginen verstanden sich als „ancillae Dei“, als ‚Dienerinnen und Haushälterinnen Gottes‘, weniger als „sponsae Christi“, als ‚Bräute Christi‘, wie die Nonnen. 
Das Leiden Christi imitierten sie – anders als die Nonnen – nicht in der Meditation, sondern im Dienst am Nächsten. Die semireligiösen Frauen fassten das Ideal der Caritas nicht im metaphorischen Sinn, als Anregung für spirituelle Andacht auf, sondern als praktische Handlungsanweisung. Die Pflege von Kranken und Sterbenden und die Totenwache in städtischen Familien war eines der wichtigsten Betätigungsfelder der Hamburger Beginen. für die in Notfällen selbst der Gottesdienst zurückgestellt werden durfte

‚Hamburger Beginen im Spätmittelalter‘ von Hedwig Röckelein
Politische Situation der Frauen im hohen und späten Mittelalter

Im wesentlichen steht die Frau im Mittelalter unter der Vormundschaft des Mannes. Das bedeutete allerdings nicht, dass sie die ‚rechtlose Sklavin‘ des Mannes war. Wir müssen die Situation relativiert betrachten und Vormundschaft auch als Schutz sehen, in einer Gesellschaft ohne doppelten Boden eines heutigen Sozialsystems betrachten. Das Sozialsystem dem Mittelalters ist tatsächlich das soziale Netzwerk.

Grob kann man eine Einteilung in ‚Fru‘ (edel, keusch, gut, hold-> Minnedichtung) und ‚Wip‘ (das Weib) vornehmen.

Die wirtschaftliche und rechtliche Situation abhängig von Gesellschaftsschicht und entspricht wiederum dem sozialen Netzwerk: 

Bürgerliche Frauen in Städten können auch als Handwerkerinnen, Kauffrauen etc. tätig sein. Wir zählen tatsächlich 65 registrierte Berufe für Frauen im MA in FFM z.B. Schmied, Dachdecker, Metall- und Holzhandwerk allg., Bäcker, Bierbrauer, Kerzenzieher, Seifenherstellung, Abschreiber.  Prinzipiell haben die Frauen keine politischen (!) Rechte. Das heißt sie durften nicht in den Stadtrat gewählt werden, sind von öffentliche Ämter ausgeschlossen, haben kein Wahlrecht für städtische Körperschaften. 

Sie haben keine Erlaubnis zur Einleitung von Strafprozessen, vor Gericht sind sie stets männliche Vertretung angewiesen. (Ausnahme: Augsburger und Memminger, bayrisches Strafrecht: Frau hat gleiches Recht wie Mann, durfte aber Erbe und Eigen nicht verkaufen)

Die bäuerliche weibliche Bevölkerung hat im Gegensatz keine Auswahl an Berufen bzw. Arbeit in jungen Jahren. Sie sind automatisch die mithelfende Tochter, Magd, Tagelöhnerin, später vielleicht einmal die ‚rechte Hand‘ auf dem Hof. 

Und was adlige Frauen betrifft: ihr weg Weg war in der Regel vorbestimmt. 

Sie wurden möglichst zwischen dem 12. Und 16. Lebensjahr verheiratet, was nicht parallel meint, dass die Ehe im heutigen Sinne vollzogen wird. Hierfür musste eine Mitgiftentrichtet werden. (Im Gegenzug erhielt die zukünftige Ehefrau die Morgengabe)Ausgeschlossen ist die selbstständige Ernährung durch Arbeit. Somit waren Mädchen ein nicht unerheblicher Kostenfaktor für ihre Familie.

Die adligen Frauen sind jedoch diejenigen, mit der Möglichkeit auf höhere Bildung oder evtl. mit der Chance auf einem Platz im Kloster oder als Kammerjungfer oder ähnlichen Diensten am Hof. 

Sie bleiben jedoch immer wirtschaftlich unselbstständig. 

Was passiert im Folgenden?

Im späten Mittelalter verzeichnen wir eine große Anzahl unverheirateter Frauen. (Steuerliste 1377, England: 67% der weiblichen Bevölkerung über 14 Jahren unverheiratet.) 

Im Laufe des 15. Jh. werden sie aus fast allen Berufen verdrängt. Entsprechend verbreitert sich die der Schicht der proletarischen Frauen. Die rechtliche Stellung der Frau verschlechtert sich.

Frauen im Ordenswesen – Semireligiosentum zwischen Heiligkeit und Häresie

Im 12. und 13. Jahrhundert machten vor allem Frauen die Erfahrung, dass es zunehmend schwierig war, ihre eigenen Vorstellungen von einem authentischen christlichen Leben mit der überlieferten vita religiosa in Einklang zu bringen. Diese Zeit war von tiefgreifenden religiösen, sozialen und politischen Umbrüchen geprägt, die mit Veränderungen und großen Verunsicherungen einhergingen.

Bereits seit dem 10. Jahrhundert waren in Europa Bestrebungen erkennbar, das zunächst von Asketen und Mönchsvätern gelebte und durch die Benediktinerregel geordnete Mönchtum zu reformieren. Ziel dieser Reformbewegungen war es, zu einer strengeren Befolgung der ursprünglich aufgestellten Regeln zurückzukehren. Aus diesen Entwicklungen gingen neue Orden wie die Zisterzienser und Cluniazenser hervor, zugleich traten zahlreiche Wanderprediger in Erscheinung, von denen einige später als häretisch galten.

Zu diesen Wanderpredigern zählten unter anderem Nilus von Rossano, Romuald von Ravenna, Johannes Gualberti, Bruno von Köln, Norbert von Xanten, Robert von Arbrissel, Vitalis von Savigny, Girald von Salles und Bernhard von Tiron. Ihnen schlossen sich häufig Frauen an, insbesondere Jungfrauen, Witwen, von ihren Ehemännern getrenntlebende Frauen sowie Prostituierte, die ihres bisherigen Lebens überdrüssig geworden waren.

Viele Frauen teilten mit diesen Predigern ein Leben der Askese, der Abgeschiedenheit und der religiösen Hingabe. Robert von Arbrissel und einige seiner Schüler suchten dabei bewusst ein enges Zusammenleben mit Frauen, sogenannte mulierum consortia. Ziel dieser Lebensgemeinschaften war es, durch den bewussten Umgang mit Versuchung die sogenannte „Krone des weißen Martyriums“ zu erringen.

Robert von Arbrissel selbst betonte in einer Äußerung, dass all sein Wirken in dieser Welt allein dem Nutzen und Frommen der geistlichen Frauen gedient habe und dass er und seine Schüler vollständig in deren Dienst getreten seien.

Ein besonders bekanntes Beispiel für diese Lebensform ist das Kloster Fontevraud. Es ging aus einer bereits 1109 gegründeten Gemeinschaft gemeinsam lebender Frauen und Männer hervor. Ab dem Jahr 1115 bestand das Kloster aus zwei getrennten, jeweils weiter untergliederten Kommunitäten, die dennoch eine rechtliche Einheit bildeten. Die Leitung oblag einer Äbtissin, zunächst Hersende de Champagne, später Petronella de Chemillé, ganz entsprechend dem Willen Robert von Arbrissels.

Die Überordnung einer Frau über männliche Ordensmitglieder erregte bei den Zeitgenossen Verwunderung und Misstrauen, war jedoch im Ordenswesen des 12. Jahrhunderts keineswegs ein singuläres Phänomen. Teilweise existierten sogar Ideen von Ordensgemeinschaften, in denen Männer den Frauen dienen sollten. Diese Vorstellung beruhte auf der Anerkennung der als schwächer verstandenen natura fragilior des weiblichen Geschlechts, der mit caritas und diligentia, also Nächstenliebe und Fürsorge, zu begegnen sei.

In einer zeitgenössischen Formulierung hieß es, die Männer hätten den Frauen so zu dienen wie die Diener eines königlichen Haushaltes, die für die Bedürfnisse der Gemahlin des Herrschers, der sponsa Christi, verantwortlich seien. Solche Modelle blieben jedoch nur eine kurze Episode.

Im weiteren Verlauf des 12. Jahrhunderts kam es zu einer fortschreitenden Entfremdung zwischen Männer- und Frauengemeinschaften, die nach unterschiedlichen Regeln lebten. Diese Trennung war selbst mit Hilfe der Päpste nicht mehr zu überwinden. Klöster, die ursprünglich auch Frauen aus niedrigeren gesellschaftlichen Schichten offenstanden, entwickelten sich zunehmend zu Herbergen für Damen aus dem Adel, insbesondere in England und Frankreich.

Die bis in die Spätantike und das Frühmittelalter zurückreichende Tradition des Zusammenlebens von Männern und Frauen in einer gemeinsamen Klostersiedlung geriet nach einem kurzen erneuten Aufschwung durch die Wanderprediger erneut in Misskredit. Selbst Ritter- und Hospitalorden, die auf die Mitarbeit von Frauen angewiesen waren, setzten eine räumliche und institutionelle Trennung der Geschlechter durch.

In der Folge entstanden Frauenklöster, die nur noch lose mit Männerklöstern verbunden waren. Diese gaben ihren bisherigen, durch gemeinsame Aufgaben und Zielsetzungen geprägten Lebensstil auf und wandten sich stattdessen einem strikt klausurierten und kontemplativen Leben zu.

Im Hochmittelalter wurden mehr Klöster gegründet als in allen Jahrhunderten zuvor. Besonders beliebt bei Frauengemeinschaften waren die im 12. und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründeten Prämonstratenser- und Zisterzienserorden in West- und Mitteleuropa.

Der Wille zur Erneuerung der Urkirche, der am Anfang der Wanderpredigerbewegung gestanden hatte, führte unter veränderten politischen und sozialen Bedingungen vor allem in Frankreich und Süditalien zur Gründung zahlreicher Bettelorden. Dadurch gewann die Frage nach der Beteiligung von Frauen am Ordensleben neue Aktualität und betraf deutlich weitere gesellschaftliche Kreise als zuvor.

Zwischen 1218 und 1219 unterbreitete Kardinal Hugolino, ein Freund und Förderer des heiligen Franziskus, den Vorschlag, Frauen nicht nach der Franziskanerregel, sondern nach der Benediktinerregel sowie einer eigens entworfenen formula vitae zu organisieren. Diese sah eine strenge Klausur sowie eine hierarchisch gegliederte Ordensstruktur vor.

Die Regula Bullata von 1223 enthielt zudem Bestimmungen, die geistlichen Brüdern den Zutritt zu Frauenklöstern untersagten, um sogenannte verdächtige Gemeinschaften und Zusammenkünfte zu vermeiden. Ausnahmen waren nur mit päpstlicher Erlaubnis möglich, was die Seelsorge für die Nonnen zu einem nahezu unüberwindbaren Problem machte.

In der Folge kam es zum Ausschluss einzelner Frauenklöster aus den Orden. Die verbleibenden Frauenklöster lebten stark weltabgeschieden, während die männlichen Ordensmitglieder sich vor allem der Seelsorge widmeten, wie dies etwa bei den Dominikanerinnen und Klarissen der Fall war. Dies führte zu erheblichen innerordentlichen Spannungen sowie zu einem tiefgreifenden Misstrauen zwischen dem weiblichen und dem männlichen Element.

Trotz dieser Entwicklungen blieb im weiblichen Ordenswesen eine bemerkenswerte Vielfalt erhalten. Sie reichte von dienenden Hospitalschwestern über streng klausulierte Klarissen bis hin zu weltoffenen Äbtissinnen und geschäftstüchtigen Priorinnen.

Zudem bildete sich ein eigener sozialer Stand heraus, der als status medius oder status tertius bezeichnet wurde und zwischen Laien und Ordensleuten stand. Die Angehörigen dieses Standes bestritten ihren Lebensunterhalt überwiegend durch eigene Arbeit; nur gelegentlich lebten sie von Almosen oder Schenkungen.

In den Niederlanden waren diese Frauen meist in größeren Hofgemeinschaften organisiert, während man sie in Deutschland eher in einzelnen Häusern antraf. Sie verpflichteten sich zu einem Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam, wobei ihre geistlichen Übungen nur entfernt mit dem Chorgebet, der Meditation und den Kollationen der Mönche und Nonnen verwandt waren.

Viele dieser Frauen nahmen so häufig wie möglich an Gottesdiensten teil, sodass man teilweise von Beginenkolonien in unmittelbarer Nachbarschaft zu Prediger- und Minderbrüderklöstern sprechen kann.

Im Spätmittelalter rekrutierte sich der Nachwuchs dieser Bewegungen scheinbar vornehmlich aus den niederen Bevölkerungsschichten. Die Tätigkeiten dieser Frauen erstreckten sich häufig auch auf gesellschaftlich verfemte Berufe. Volkssprachliche Handschriften enthalten in der Regel grundlegende Glaubenswahrheiten, verbreitete Meditationsübungen und häufig gelesene Texte und zeugen von einem ausgeprägten Standesstolz und Selbstbewusstsein.

Demgegenüber stammten Frauen wie Maria von Oignies und Ivetta von Huy aus adligen oder patrizischen Familien aus Brabant, Flandern, dem Niederrhein und dem Bistum Lüttich. Ihre Entscheidung, sich radikal von der Welt abzuwenden und in Armut zu leben, sich durch Bettel oder Handarbeit zu ernähren, Hungernde zu speisen, Aussätzige zu pflegen, Sterbende zu begleiten und Tote zu begraben, wurde von ihren Familien nicht immer widerspruchslos akzeptiert. Ivetta von Huy gründete ein Hospital für Reisende und Kranke und richtete zudem eine Leprakolonie ein.

Wenn im 13. Jahrhundert vom status tertius oder von der vita media die Rede ist, bezeichnet dies eine beträchtliche Zahl von Männern und Frauen, die mit Zustimmung ihrer Pfarrer und Bischöfe ein religiöses Leben ohne approbierte Ordensregel führten. Sie lebten in eigener Verantwortung und persönlicher Freiheit eine vita eremetica.

Diese Lebensformen reichten von der völligen Abgeschlossenheit eingemauerter Inklusen bis hin zur weltoffenen Tätigkeit von Klausnern, die an Straßen und Flüssen Pilgern und Reisenden Hilfe leisteten. Vergleichbare Formen fanden sich auch bei Hospitalschwestern und -brüdern, sofern sie als Semireligiose lebten.

In den Berichten des 11. Jahrhunderts wird wiederholt auf die Beteiligung von Frauen im Umfeld ketzerischer Bewegungen hingewiesen, etwa 1022 in Toulouse oder in den Schilderungen Ademars von Chabannes. Im Jahr 1028 führte Erzbischof Aribert bei Turin eine Gruppe von Irrlehrern vor, die angeblich wie Männer und Frauen miteinander lebten und unter der Leitung einer Frau, der Gräfin von Monteforte, standen.

Was im 11. Jahrhundert noch als staunenerregende Kuriosität galt, beunruhigte Gläubige und Klerus im folgenden Jahrhundert zunehmend, insbesondere mit dem Auftreten der dualistischen Häresie der Katharer. Zeitgenössische Beobachter wie Hildegard von Bingen, Egbert von Schönau und Eberwin von Steinfeld stellten fest, dass Frauen den Ketzern nicht nur in großer Zahl folgten, sondern auch ihre Männer dazu bewegten, sich ihnen anzuschließen.

Frauen gehörten dabei nicht nur zum Kreis der Sympathisanten, sondern oftmals zu den Eingeweihten. Sie fanden bei ketzerischen Lehrern eine geistliche Betreuung, die sie in der offiziellen Kirche vergeblich suchten. Neben den Katharern traten die Waldenser als zweite große häretische Bewegung hervor.

In beiden Gruppen war das Zusammenleben von Männern und Frauen möglich, und Frauen hatten das Recht zur öffentlichen Predigt sowie zur Verwaltung der Sakramente, was eine weitgehende Gleichberechtigung bedeutete. Angesichts der Vielzahl von Ordens- und Gemeinschaftsgründungen war es für das Papsttum zunehmend schwierig, den Überblick über Zielsetzungen, Strukturen und äußere Erscheinungsformen zu behalten.

Im 13. Jahrhundert kam es zur teilweisen Versöhnung der Waldenser mit der Kirche, was mit einer strengen räumlichen, wenn auch nicht institutionellen Trennung der Geschlechter einherging. Dennoch blieben gemeinsame Aufgaben bestehen, etwa die gemeinsame Leitung von Xenodochien, also Krankenherbergen, die als Vorläufer späterer Hospize gelten.

Beginen gerieten in dieser Phase zunehmend ins Zwielicht. Es gab Versuche, religiöse und semireligiöse Frauen streng voneinander zu unterscheiden, indem Jungfrauen als erste, Witwen als zweite und Ehefrauen als dritte Klasse eingeteilt wurden.

Im 12. und 13. Jahrhundert traten schließlich nicht mehr nur adlige Frauen in den Ordensstand ein, sondern zunehmend auch Frauen aus niederen Schichten. Diese starke Zuwanderung und die damit verbundene Vielfalt führten zu einer qualitativen und quantitativen Blüte weiblicher Religiosität und ermöglichten ein freieres geistiges Leben mit Aufgaben, die bislang Männern vorbehalten gewesen waren.

Was sind Beginen?

Beginen waren Laiengemeinschaften von Frauen. Das männliche Pendant zu den Beginen wurden Begarden genannt. Erste Erwähnungen solcher Frauengruppen finden sich bereits im 11. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Schweifende Beginen“ oder „Wanderbeginen“. Eine genaue Entstehungsgeschichte ist nicht eindeutig belegt. Vermutet wird ein Zusammenschluss von Frauen um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert im Raum Lüttich, wobei die geistige Leitung vermutlich durch den Priester Lambert de la Bèghe erfolgte. Diese wäre eine mögliche Herleitung der Bezeichnung. Eine andere Variante ist negativer: Möglicherweise leitet sich der Name von „Bèghe“ ab, was mit dem italienischen Wort für „Zank“ in Verbindung gebracht wird, sodass „Begine“ ursprünglich ein Schimpf- oder Spottname gewesen sein könnte. Darüber hinaus wurden Beginen auch als „(Frei-) Willige Arme“ oder „Mulieres religiosa“, also religiöse Frauen, bezeichnet. Eine weitere Theorie geht davon aus, dass der Begriff „Begine“ als Abkürzung auf die katholische Gruppe der Albigenser zurückgeht. Dier Wortherkunft zur Farbe „beige“ ist stark umstritten und wird zumeist als Theorie abgelehnt.

Die kirchenrechtlichen Anfänge des Beginenwesens wurzelten in den mittelalterlichen Buß- und Armutsbewegungen. Eine wichtige Förderung erfuhren die Beginen durch den Kreuzfahrerbischof Jakob von Vitry (*1160/70 +01.05.1240).  Eine offizielle Anerkennung erfolgte um das Jahr 1201 durch Papst Innozenz III.

Beginen waren weder an einen Orden noch an ein Stift gebunden. Vielmehr sind sie als Teil einer Frauenbewegung und als alternatives Lebensmodell auf Zeit zu verstehen. Häufig lebten sie organisiert in Konventen, Beginenhäusern oder Beginenhöfen mit weltzugewandter Ausrichtung oder in abgeschotteten Beginenklause. Die Gemeinschaften standen unter der Leitung einer Meisterin, der sogenannten Magistra, und wurden nach außen hin oft von einem Vorsteher, dem Prokurator, vertreten.

Das Beginenwesen erreichte eine starke Verbreitung in Deutschland, Belgien, Holland, Flandern und Frankreich. In Köln bestanden zwischen 1230 und 1634 insgesamt 158 Beginenkonvente mit etwa 2000 Beginen. Während der Hochphase von 1301 bis 1325 existierten dort gleichzeitig 46 Konvente. Insgesamt waren etwa drei bis vier Prozent der weiblichen Bevölkerung Beginen.

Bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts bildeten sich zwei Klassen heraus. Einerseits gab es orthodoxe, sesshafte und als „gute“ Beginen bezeichnete Frauen. Andererseits wurden schweifende, als häretisch und „schlecht“ bezeichnet. Sesshafte Beginen, vor allem aus den großen flandrischen Beginenhöfen stammten häufig aus finanziell besser gestellten bürgerlichen Familien oder teilweise aus dem Adel. Ihr Besitz wurde oft vorübergehend in ein Stift übertragen, um die Versorgung zu sichern. Diese Lebensform war weniger kostenintensiv als der Eintritt in ein Kloster. Beginenhäuser bestanden zum Teil aus mehreren kleinen Wohnungen, die durch ein weißes Kreuz an der Tür gekennzeichnet waren.

Umherziehende Beginen entstammten hingegen überwiegend ärmeren Bevölkerungsschichten. Sie standen unter starkem Häresieverdacht und waren häufig mit Besitzlosigkeit, Prostitution und Bettelei verbunden. Diese Form des Bettelns wurde als „Brot durch Gott“.

Unterstützung erhielten Beginen zunächst durch Papst Honorius III. sowie durch Papst Gregor IX. Letzterer verfasste eine Schutzbulle und forderte die Bischöfe ausdrücklich dazu auf, die frommen Frauen zu schützen. Dennoch kam es bereits 1227 unter Gregor IX. zu Prozessen gegen umherziehende Beginen. Im Jahr 1233 wurden Beginenkonvente schließlich als eine Art Orden beziehungsweise Laienorden anerkannt.

Auf der Diözesansynode von Eichstätt im Jahr 1283 erfolgte erneut eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Beginen. Die schlechten Beginen galten dabei als verdorben und lasterhaft. Auch der Erfurter Dichter Nikolaus von Bibra griff diese Differenzierung auf und veröffentlichte Satireschriften über gute und schlechte Beginen.

Anfang des 14. Jahrhunderts gerieten Beginen erneut unter massiven Druck. Die Minnemystik enthielt pantheistische Lehrsätze und wurde als Bedrohung zentraler Grundsätze der römisch-katholischen Kirche angesehen. Auf dem Konzil von Vienne 1311/1312 benannte Papst Clemens V. Beginen allgemein als Häretikerinnen und sprach sich für ihre Bekämpfung durch Bischöfe und Inquisitoren aus.

Im Jahr 1318 folgte eine päpstliche Bulle von Johannes XXII, in der erneut zwischen orthodoxen, also rechtsgläubigen, und häretischen Beginen unterschieden wurde. Zur Kontrolle und Überwachung wurden Dominikaner und Franziskaner herangezogen. Ab 1354 wurden Beginen in päpstlichen und kaiserlichen Bullen schließlich generell als „häretische Sekten“ bezeichnet.

Die Ereignisse um 1350 stehen möglicherweise in Zusammenhang mit zeitgleichen Handwerkeraufständen. Beginen galten als unliebsame Konkurrenz für Zünfte, wurden aus städtischer Perspektive jedoch auch als günstige, steuerpflichtige Arbeitskräfte wahrgenommen. Der Häretiker-Erlass Kaiser Karls IV aus dem Jahr 1367 führte zu unterschiedslosen Verfolgungen und zur Exkommunikation. Viele Beginen gaben ihre Lebensweise auf oder flohen aus den Städten. Langfristig hatte dies den Niedergang des Beginenwesens im 15. Jahrhundert zur Folge.

So wurde etwa durch Papst Urban V. der Inquisitor Walter Kerlinger bestellt, der von 1345 bis 1373 lebte und in Erfurt wirkte. Zwischen 1367 und 1369 wurden dort etwa 400 Beginen verurteilt. Rund die Hälfte musste Buße leisten und durfte in den Städten verbleiben, während die übrigen verbannt wurden und die Stadt verlassen mussten. Ein bis zwei Frauen wurden wegen der Fortsetzung ihrer Ketzerei verbrannt. Darüber hinaus kam es zu sieben Hinrichtungen in Nordhausen.

Bischof Johann II. von Brunn erließ für das Fürstbistum Würzburg einen Erlass zur Aufhebung von Frauengemeinschaften. Auf der Synode des Bistums Konstanz wurde im Jahr 1423 eine Kleidertrennungsverordnung beschlossen, nach der „weltlich“ lebende Beginen kein Skapulier mehr tragen durften. 1440 untersagte Papst Eugen IV. inquisitorische Vorgänge durch Dominikaner ausdrücklich zum Schutz der Schwestern.

1452 erklärte Papst Nikolaus V. auf der kölnischen Erzbistumssynode die Pflicht zum Bekenntnis oder zur Annahme einer approbierten Drittordenskonstitution für zukünftige Beginengemeinschaften. Die gleiche Regelung galt für bereits bestehende Gemeinschaften, sofern keine nachweisliche Zulassung durch einen apostolischen Stuhl vorlag. Diese Maßnahmen führten zu einer schrittweisen Assimilierung der Beginen in den Regularklerus.

Im Jahr 1480 wurde im Zusammenhang mit Franziskus von Assisi eine Gleichstellung der Ordensgelübde vorgenommen. Beginen wurden dadurch von weltlichen Abgaben und Diensten befreit und unterlagen kaum noch dem Stadtrecht. Diese Sonderstellung führte erneut zu wirtschaftlicher Konkurrenz und teilweise zu Ablehnung durch Gilden, Stadträte und Zünfte.
Mit der Reformation und der religiösen Neuorientierung setzte ein weiteres Absinken des Beginenwesens ein. Dennoch konnten sich einige wenige Beginenkonvente in Holland und Belgien bis in die Neuzeit erhalten, da sie als rechtsgläubig galten. Im Jahr 2004 bestanden in Flandern noch fünf aktive Beginengemeinschaften. 2013 starb mit Marella Pattyn im Alter von 92 Jahren in einem Altersheim in Kortrijk in Belgien die letzte Begine eines alten Ordens.

Wir wissen,dass solche Frauen, von denen viele in der Diozöse Lüttich leben, in welticher weise unter Weltleuten leben, viele in Klöstern Eingeschlossen sind, sie dennoch an Lieberwerkenüberlegen: unter Weltleuten Geistliche, unter Prunksüchtigen enthaltsam, führen sie inmitten des Volkes ein einsiedlerisches Leben.

Caesarius von Heisterbach, ca. 1180- 1240, Zisterzienser
Beginenwesen zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert

Dieser Artikel wird aktuell noch recherchiert und befindet sich im Aufbau. Wir bitten um Geduld.

Ausblick – Das Beginenwesen in der Moderne

Nach dem Rückgang des Beginenwesens im Zuge von Reformation, kirchlicher Neuordnung und gesellschaftlichem Wandel ist die mittelalterliche Lebensform nicht vollständig verschwunden, sondern hat in der Moderne neue Ausdrucksformen gefunden. Besonders in Belgien und den Niederlanden blieben die historischen Beginenhöfe als kulturelle und bauliche Zeugnisse erhalten und prägen bis heute das Stadtbild zahlreicher Orte, vor allem in Flandern. Dreizehn dieser Begijnhöfe wurden 1998 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt und dienen heute als Wohnanlagen, Museen, kulturelle Begegnungsorte oder Orte der Stille inmitten moderner Städte. Beginenhäuser gehen in Kliniken und sozialen Einrichtungen auf. Damit haben sie ihre ursprüngliche Funktion als Schutz- und Lebensraum für alleinstehende Frauen in veränderter Form bewahrt.

Mit dem Tod der letzten historischen Begine Marella Pattyn im Jahr 2013 endete zwar die direkte mittelalterliche Tradition, doch seit den 1980er- und 1990er-Jahren lässt sich in Deutschland und anderen europäischen Ländern eine bewusste Wiederbelebung der Beginenidee beobachten. Diese moderne Beginenbewegung versteht sich nicht als religiöser Orden, sondern als soziale, spirituelle und feministisch geprägte Lebensform, die historische Werte wie Gemeinschaft, Selbstbestimmung, wirtschaftliche Eigenständigkeit und soziales Engagement in die Gegenwart überträgt.

Heute existieren in Deutschland zahlreiche Beginenwohnprojekte, Beginenhöfe und Beginengemeinschaften, die sich meist überkonfessionell oder bewusst säkular verstehen. Viele dieser Projekte sind im Dachverband der Beginen e.V. organisiert, der bundesweit mehrere hundert Frauen vernetzt. Moderne Beginen leben gemeinschaftlich oder einzeln, engagieren sich gesellschaftspolitisch, ökologisch und sozial und greifen damit zentrale Handlungsmotive der historischen Beginen – Caritas, Verantwortung und solidarisches Wirtschaften – zeitgemäß auf.

Das Beginenwesen der Moderne ist damit weniger eine Wiederaufnahme mittelalterlicher Frömmigkeit als vielmehr eine Weiterentwicklung einer historischen Frauenbewegung, die auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagiert. In einer Zeit wachsender Individualisierung, sozialer Vereinzelung und zunehmender Wohnraumknappheit bieten moderne Beginenprojekte erprobte Modelle gemeinschaftlichen Lebens, die historische Erfahrungen in eine zukunftsorientierte Praxis übersetzen.

Quellen

Fotografien sind im Rahmen diversen Veranstaltungen entstanden und urheberrechtlich geschützt.

‚Medieval Costume And How To Recreate It’ Dorothy Hartley

Kaspar Elm: Die Stellung der Frau in Ordenswesen, Semireligiosentum und Häresie zur Zeit der heiligen Elisabeth

Tanja Bras: Die Beginen- Eine Frauenbewegung im Mittelalter

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https://schoeneberg-nord.berlin/event/geschichte-der-beginen-ein-vortrag-mitbildern

https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/beginen

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Kit Guide Geschichtspark Bärnau 13.Jh/PDF

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guertelreplikate.htm (Dargal)

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Themenführungen | toms-stadtgeschichten

St. Birgitta’s Cap – Charlotte Sometimes

Dr. Helga Unger: Beginen gestern und heute – Ein Lebens Modell mittelalterlicher Frauen und Wohnformen heutiger Frauen

Dachverband der Beginen e.V.: Beginenkultur und Beginenprojekte – https://www.dachverband-der-beginen.de

Beginen Köln e.V.: Beginen in unserer Zeit – https://beginen.koeln/beginen-in-unserer-zeit/

Bielefelder Beginenhöfe e.V.: Beginen – Vergangenheit und neue Bewegung – https://www.bielefelderbeginenhoefe.de

Visit Flanders: Flanderns Beginenhöfe – UNESCO-Weltkulturerbe – https://www.visitflanders.com

Visit Lier: Die Beginenhöfe in Flandern als Welterbe – https://www.visitlier.be

Beginenhof Bochum: Was heißt eigentlich moderne Beginenbewegung? – https://beginenhof-bochum.de