Die Darstellung

Eine Living History-Darstellung von ‚Projekt Lunulae‘/ Susi Schenkendorf

Wer sind wir?

Projekt Lunulae:

  • Zusammenschluss weiblicher Darsteller aus Bereich „Living History“ und
  • „Reenactment“ seit August 2023
  • vielfältige Darstellung z.B. 450v.Chr/ Mitteldeutschland, Thüringer Königreich, 9.Jh., Slawen Mitteldeutschland, 10./11. Jh. Slawen div. Regionen, um 1470 Region Burgund, 1813 Königreich Westphalen, Zeit um 1860, Kaiserzeit
  • Gewerke: Pflanzenfärben, Bänderweben, Nadelbinden, Eitemperabemalungen, Netzknüpfen, Buchmalerei, Schreibkunst und selbstverständlich Gesang und Gebet
  • klar erklärtes Ziel unserer Darstellerinnen ist es sich gegenseitig zu fördern, zu inspirieren und sich anzuspornen die Darstellungen und Gewerke immer zu verbessern und weiterzuentwickeln

Referenzen:

• Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Museumsdörfern der einzelnen Mitglieder

zB. Funkenburg Westgreussen, Geschichtspark- Bärnau- Tachov, Kaiserpfalz Tilleda, Opfermoor Niederdorla

• Teilnahme der einzelnen Mitglieder an vielfältigen Veranstaltungen: 

Warum eine Darstellung als Beginen?

Jede Darstellerin hat ihre eigene Motivation. Was wir teilen, ist die Faszination eines etwas alternativen Lebensmodells zur damaligen Zeit und die vielfältigen Tätigkeiten, die durch die Darstellung ausgeübt und vermittelt werden können.

Seit ich in dem Buch „Wir konnten auch anders. Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit“ von Anette Kehnel erstmals von Beginen erfuhr, ließen sie mich nicht mehr los: Selbstorganisierte, wirtschaftlich eigenständige Frauen, die im Mittelalter in nahezu jeder größeren europäischen Stadt lebten – und ich hatte bis eben noch nie etwas von ihnen gehört? 

Diese Irritation wurde für mich zum Ausgangspunkt einer intensiven Auseinandersetzung: Wenn Beginen in den Städten des Mittelalters einst so präsent gewesen waren – warum sind sie dann heute so unsichtbar? 

Auf der Suche nach Antworten begann ich, mich intensiv mit der Forschungsliteratur und den erhaltenen Quellen auseinanderzusetzen. Besonders im norddeutschen Raum sind die Spuren spärlich – ganz im Gegensatz zu den Ballungszentren rund um die großen Beginenhöfe Belgiens. Doch je mehr ich zu den norddeutschen Beginen fand, desto deutlicher wurde, wie vielfältig und lokal unterschiedlich ihre Lebensformen waren.

Was mich an den Beginen bis heute fasziniert, ist ihr beharrlicher Versuch, eigene Wege zu gehen und sich eigene Zugänge zu schaffen – sei es in Glaubensfragen, in Gemeinschaftsformen oder im Alltag. Mit meiner Darstellung möchte ich diese oft übersehenen frommen Frauen des Mittelalters wieder sichtbar machen und ein differenzierteres Bild weiblicher Lebensrealitäten eröffnen.

Pauline

Ich habe mich für eine Darstellung einer Begine entschieden, weil es ein ganz anderes Lebensmodell für Frauen darstellt als uns landläufig für das ‚finstere‘ Mittelalter vermittelt wird. Frauen konnten zu gewissen Teilen selbstständig und ein wichtiger, anerkannter Teil der Gesellschaft sein- mehr, als nur Mutter und Hausfrau.

Viki

Seit ich in dem Buch „Wir konnten auch anders. Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit“ von Anette Kehnel erstmals von Beginen erfuhr, ließen sie mich nicht mehr los: Selbstorganisierte, wirtschaftlich eigenständige Frauen, die im Mittelalter in nahezu jeder größeren europäischen Stadt lebten – und ich hatte bis eben noch nie etwas von ihnen gehört? 

Diese Irritation wurde für mich zum Ausgangspunkt einer intensiven Auseinandersetzung: Wenn Beginen in den Städten des Mittelalters einst so präsent gewesen waren – warum sind sie dann heute so unsichtbar? 

Auf der Suche nach Antworten begann ich, mich intensiv mit der Forschungsliteratur und den erhaltenen Quellen auseinanderzusetzen. Besonders im norddeutschen Raum sind die Spuren spärlich – ganz im Gegensatz zu den Ballungszentren rund um die großen Beginenhöfe Belgiens. Doch je mehr ich zu den norddeutschen Beginen fand, desto deutlicher wurde, wie vielfältig und lokal unterschiedlich ihre Lebensformen waren.

Was mich an den Beginen bis heute fasziniert, ist ihr beharrlicher Versuch, eigene Wege zu gehen und sich eigene Zugänge zu schaffen – sei es in Glaubensfragen, in Gemeinschaftsformen oder im Alltag. Mit meiner Darstellung möchte ich diese oft übersehenen frommen Frauen des Mittelalters wieder sichtbar machen und ein differenzierteres Bild weiblicher Lebensrealitäten eröffnen.

Sandrina

Seit 2024 gibt es meine Zweitdarstellung einer Begine. Gefragt nach dem warum kann ich nur sagen: je mehr ich mich mit dieser gesellschaftlichen Strömung auseinandersetze, umso faszinierender finde ich sie.
Da waren Frauen, die fromm und opportunistisch zugleich ihr Schicksal und ihre Rolle in der Gesellschaft selbst definierten. Sie waren weitestgehend frei vom Einfluss der „Großen und Mächtigen“. Sie lebten anders als Nonnen nicht neben, sondern in der Gesellschaft, es gab weder Klausur noch ein lebenslanges Geblübde. Eigentlich logisch, dass so eine Hippie-Bewegung im 13. Jahrhundert und später für reichlich Konfliktpotential sorgte.
Die Bandbreite an Tätigkeiten, die Beginen leisteten sind so vielfältig, dass jeder seine Nische darin finden konnte. Krankenpflege und Sterbebegleitung, Memorialkultur, Textilhandwerk, aber auch Lehrerinnen, Pilgerbetreuerinnen oder Handwerkerinnen – die Einnahmen konnte einbehalten werden.
Das alles in seiner Bandbreite zu erfassen und darzustellen ist eine faszinierende Aufgabe und macht großen Spaß.

In diesem Sinne, Got behuote iu

Josefine

Ich habe mich damals für die Beginendarstellung entschieden, weil ich finde, dass eine realistische Darstellung einer Frau, die über „Ehefrau“ hinausgeht absolut unterrepräsentiert ist. Daher hat mich das Thema direkt gefangen und bis heute nicht mehr losgelassen.

susi

Der Begriff „Begine“ begegnete mir schon als Teenager in einer Romanreihe, ohne dass ich damals viel damit anfangen konnte. Erst durch mein Living-History-Hobby tauchten die Beginen wieder auf – und ich hatte schließlich das Glück, Teil dieser einzigartigen Frauengruppe zu werden. Für mich sind die Beginen ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie vielschichtig das Mittelalter war, besonders im Hinblick auf die Rolle der Frauen. Viel zu oft werden sie von der breiten Masse nur als Ehefrauen, Mütter oder Nonnen wahrgenommen. Die Beginen zeigen jedoch eine andere Möglichkeit. Und gerade das macht sie so faszinierend: Sie boten Frauen die Möglichkeit, ein religiös geprägtes, aber zugleich vergleichsweise unabhängiges und eigenständiges Leben zu führen, das nicht unmittelbar von einem Ehemann oder einer klösterlichen Hierarchie bestimmt war. Besonders spannend finde ich zudem, dass die Beginen zwar ein länderübergreifendes Phänomen waren. Aber keineswegs einheitlich zu betrachten sind, denn trotz gemeinsamer religiöser Idee unterschieden sich die Gemeinschaften regional teils stark in Organisation, Alltag, Arbeit und Interaktion mit ihren Mitmenschen. 
Gerade dieses Zusammenspiel aus gemeinsamer Grundidee und großer regionaler Vielfalt macht die Beginen für mich so faszinierend. Und ich liebe es, dies meinen Mitmenschen zu vermitteln.

Sandrina